Zweikampf ums Gemeindepräsidium ist offiziell – und er wird spannend (WB 18.1.18)

Wer übernimmt das Gemeindepräsidium?
Béatrix von Sury (CVP) oder Melchior Buchs (FDP) wird es sein.

Es ist nicht überraschend, aber seit Montagabend ist es amtlich: Für die Ersatzwahl des Gemeindepräsidiums vom 4. März treten definitiv die bereits bekannten zwei Kandidaten an: Béatrix von Sury, CVP-Mitglied und Gemeindepräsidentin ad interim, sowie FDP-Gemeinderat Melchior Buchs. Ab sofort kann also im politischen Kaffeesatz gelesen und darüber spekuliert werden, wie wohl dieses Rennen ausgehen wird.

Erste Wahlempfehlungen gemacht

Zuerst ist interessant zu sehen, welche Kandidaten die Reinacher Parteien – abgesehen von FDP und CVP – offiziell ihren Mitgliedern zur Wahl empfehlen. So hat sich die BDP, die im Einwohnerrat zusammen mit der CVP eine Frakti- E on bildet, bereits festgelegt und unterstützt Béatrix von Sury. Dieser Entscheid gründet nicht alleine auf Loyalität dem Fraktionspartner gegenüber. «Es ist eine Entscheidung aus Überzeugung. Béatrix von Sury ist kompetent und engagiert. Sie hat bewiesen, dass sie die Gemeinde auch in einer nicht einfachen Situation führen kann», sagt BDP-Präsidentin Marie-Therese Müller gegenüber dem «Wochenblatt». Und weiter fügt sie hinzu: «Es wäre schön, wenn nach über zwölf Jahren Gemeindepräsident wieder eine Präsidentin das Steuer übernehmen dürfte.» Auch die Grünen haben ihr Kreuz bereits gemacht: Deren Parteipräsident Marco Agostini sagt: «Für uns ist Frau von Sury erste Wahl.»

Wählerpotenzial in etwa gleich

Noch offen ist, ob und welchen Kandidaten die beiden Polparteien SP und SVP empfehlen. Die Parteiversammlung der SP findet heute Donnerstag statt, jene der SVP Ende Januar. Hilfreich für die Auguren ist deshalb ein Blick auf die Wähleranteile der Parteien bei den Reinacher Einwohnerratswahlen im 2016. Addiert man deren Anteile – und nimmt man gleichzeitig an, dass SVP-Wähler ihre Stimme eher dem bürgerlichen Kandidaten Melchior Buchs geben, während die SP-Wählerschaft vermutlich Béatrix von Sury favorisiert, liegen beide Kandidaten in etwa gleichauf.

Eine Personenwahl

Natürlich lässt sich nie abschätzen, wie die Wählerinnen und Wähler im Einzelnen entscheiden – eine Präsidiumswahl ist auch und vor allem eine Personenwahl. Und hier können zwei Faktoren entscheidend sein: Zum einen das Geschlecht, Mann oder Frau. Zum anderen das Bedürfnis nach Kontinuität – oder umgekehrt –, der Wunsch nach einem Neuanfang. Das Argument des frischen Winds könnte Wähler bis ins linke Lager hinein für Melchior Buchs überzeugen. Buchs gilt noch immer als politischer Neuling, erst seit 2016 sitzt er im Gemeinderat, bringt aber politische Erfahrung aus Thun mit, wo er von 1995 und 2002 Vize-Stadtpräsident war. Auf der anderen Seite dürfte von Sury mit ihrer Erfahrung und der langjährigen Vertrautheit mit den Reinacher Verhältnissen punkten. Von Sury war von 2006 bis 2012 Einwohnerrätin und wurde dann in den Gemeinderat gewählt. Seit 2014 stand sie als Vizepräsidentin an der Seite von Urs Hintermann – einem Mann. Und hier setzt die CVP eben auch auf die Geschlechter-Karte: «Es freut uns, eine Frau für das Amt vorzuschlagen zu können», so CVP-Präsident Denis von Sury.

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